HANA HASILIK'S LENTOIDE

Lentoids

 

In immer wieder neuen Strukturbildungen und Zusammenstellungen lotet Hana Hasilik das bildnerische Potential eines geometrischen Grundelementes aus, des bikonvexen Lentoids, realisiert dabei neben Reihungen auch stabile und pseudostabile Zustandsformen zwischen Stehen und Liegen, zwischen Stützen und Stürzen. Mitunter evozieren die Skulpturen Hana Hasiliks, obwohl statisch, höchst eindrücklich die Suggestion einer in sequentiellen Momentaufnahmen erfassten Bewegung, gewissermaßen als ins Plastische ausgedehnte Analogie zu den Serienfotografien, mittels derer Eadweard Muybridge im 19. Jahrhundert Bewegungsabläufe erstmals als solche ins Bild bannte.
      Reinhard Buskies, Kurator
      STRUKTUR.WANDEL. Form als Prozess
      Erfurt, Kassel und Eisenach, 2010


Das symmetrische bikonvexe Lentoid
– eine von der Natur entwickelte Lebensgrundform mit der Fähigkeit zu Entfaltung und Wachstum, ist die Grundform für Hana Hasilik´s Objekte aus weißem gebrannten unglasierten Ton.

In der Vielzahl und in vielfältiger Formation stehen Lentoide als Symbol für Flexibilität und Wandlungs-fähigkeit sozialer und gesellschaftlicher Strukturen und die in ihnen variable Position des Einzelindividuums – eine Herausforderung künstlerischer Aktivität und Kreativität.
      Eckhart Buddecke, Münster, 2001

GESCHICHTE UND GEOMETRIE

GEBRAUCHSGGENSTAND IN DER ANTIKE

Die Lentoidform ist im präklassischem Griechenland zur Herstellung von Stempeln und Siegeln (Siegelstempel, Petschaft) genutzt worden. Bemerkenswert ist das hier abgebildete Lentoid-Stempel aus der spät-minoischen Periode (LM III,  ca. 1400 - 1090 v. Chr.), insbesondere auch seine quadratisch und diagonal angeordnete Linien.  Wir kennen die Bedeutung dieser Linien nicht. Das grafische Design der cardandcube #1-Karte erinnert jedoch an das Muster, das vor Jahrtausenden auf diesem linsenförmigen Stempel eingraviert wurde:

Spät minoischer Lentoidstempel. Blaues Glas - 1,3 x 1,3 x 0,65 cm. (Zugangsnummer AN1896-1908.AE.1239.c, © Ashmolean Museum, University of Oxford).

Wir danken dem Ashmolean museum, Oxford, und Herrn Dr. Ingo Pini, Marburg, für die Erlaubnis die Aufnahmen des minoischen Lentoid-Stempels zu reproduzieren.

GEOMETRIE

Geometrisch kann das Lentoid als Schnittmenge von zwei Kugeln definiert werden:

Video: Geoff Hodbod, 3D-imaging

Musik: Ein Fragment aus: Fryderyk Chopin, Fantaisie - Impromptu, Op. 66, gespielt von Frank Levy (Musopen)